Dummheit?

Dummheit?

Seht nur die Kuh, sie kaut
Zweimal, denn sie ist dumm
Auf Dummheit ist ihr Kauen aufgebaut
Aus Dummheit bleibt sie lieber stumm

Wir jedoch, die wir die Welt gewonnen
Wir schlingen runter das, was wir bekommen
Lieber trunken nachgespült als gut gekaut
Und uns’re Stimmen klingen dünn und laut

So steh’n wir schwanken vor der Kuh, die ihre Augen
Nur halb geöffnet hat und weiterkaut
Und uns nicht sieht, weil sie doch gar nicht schaut

Nur ab und zu hört man sie Luft einsaugen
Wenn sie mit Wiederkäuen fertig ist
Hebt sie den Schwanz und macht ’nen Haufen Mist

Gerry Huster

Fall – Ein Herbstgedicht

Fall

Schau her mein Herz des Sommers Grün
Ist vor uns noch verschwunden
Wie stachen seine Blumen kühn
In unsre warmen Wunden

Wie sanft und mutig fallen die
Noch einst so stolzen Blätter
Und doch mein Herz du zitterst wie
Bedrückt dich denn das Wetter

Du sahst wohl gelbes Laub
In deiner Zukunft steigen
Wo grau die Sonne scheint

Spätsommerlicher Staub
Ermahnt dich wohl zu schweigen
Und schweigen was uns eint

Gerry Huster

Die Entrückung

Die Entrückung

Des Morgens denn die Sterne schliefen in der Nacht so schön
Ging ich von dieser Welt sie war zu voll
Ich ging im Ganzen damals unbesehn
Groß war sie diese Welt denn sie war toll

Es lag eine Stille über diesem Meer und sie war wundersam
Weich spiegelte der Himmel sich darin
Ich liebte diesen Himmel und das Meer als ich da kam
Ich Gast der ich in reiner Stille bin

Nur manchmal schau ich noch die rote Erde
Sie liegt so klein und schwer und unter mir
Und produziert ihr ewiges Gelärme

Des sterbend noch gebärendem Getier
So zieht mich an das Feuer dieser Erde
So wie sie liegt ganz blutig unter mir

Gerry Huster

Das Ehesonett

Und sagte: „Sei so nett
Für Mich: Schreib ein Sonett“
Und ich sah nur die roten Lippen
den Busen auf und nieder wippen

Und ein Parfum hing in der Luft
und übertünchte ihren Muff
Ich war von ihr schon ganz verschoben
Sie wollt ich unten und mich oben

Und in der Lieb ist jeder Mann
ein Schuft, der es nicht lassen kann,
So nahm ich mir ein Blatt und einen Stift

und schrieb in meiner allerschönsten Schrift
Gab mir den Schein, ich wär so nett
Wär ach so fein: Schrieb dies Sonett

Gerry Huster