Lied von der Henkersmachergasse

Lied von der Henkersmachergasse

In der Henkersmachergasse
Stehen kleine graue Hütten
Davor kleine graue Weiber
Und die Greise mit den Krücken

In der Henkersmachergasse
Scheint die Sonne schon zu lange
Auf den Schmutz der Straßengräben
Und die leere Fahnenstange

In der Henkersmachergasse
Stopfen Löcher nur die Taschen
Von den Frauen und den Greisen
Die schon lange nichts mehr fassen

In er Henkersmachergasse
Kommt ein hoher Mann besuchen
Mit den weißen Anzugtaschen
Und missbilligendem Fluchen

In der Henkersmachergasse
Spritzt das Blut der weißen Kälber
Und die Tränen der Verfluchten
Auf die armen Henker selber

Ja die Henkersmachergasse
Ist ein Viertel voller Armer
Die die Reichen sich dann fassen
Und zum Henker machen lassen

Gerry Huster

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Rezitativ der Flüchtenden

Rezitativ der Flüchtenden

  1. Wie dunkel sind die feuchten Höhlen. Die Fabriken wo Reichtum geschaffen wird.

(refrain):
Noch einen Schritt Nur einen Schritt
      Der Marsch geht weiter
      die pechschwarzen Reiter
                  Gnade wer mit ihnen stritt
Tu deinen Schritt nur einen Schritt

2. Wie zahlreich sind unsere Massen im Rahmen der Unendlichkeit

(ref.)

3. Wie mächtig ist der Gott der Winde auf dem Meer. Der Gott der rasenden Kugeln, der ewigen Menschlichkeit.

(ref.)

4. Wie groß ist unser Zweifeln auf dem ewigen Sterben des Weges.

(ref.)

5. Wie weit ist unsere Heimat in der Unbestimmtheit des Universums.

(ref.)

6. Wie süß scheint das Menschenrecht privilegierter Völker.

7. Wie dunkel scheint die Nacht der verschlossenen Türen.

8. Wie erschreckend scheint der Gang des ruhigen Meeres.

9. Wie traurig klingt die Geige in der Einöde des menschlichen Herzens.

(ref.)

10. Wir sind die Masse der ungekannten Namen. Wir ziehen für die Ewigkeit. Einige verschwinden aus uns. Andere kommen hinzu. So ist das. Wir sind Vertriebene ohne Richtung

Noch einen Schritt nur einen Schritt
      Der Marsch geht weiter
      die pechschwarzen Reiter
                  Und wenn man mit ihnen stritt
Wär das dein Schritt der eine Schritt

Gerry Huster

Der ewige Zustand

Der ewige Zustand

Die Welt ist arm der Mensch ist schlecht
Das schrieb zuweilen Bertolt Brecht
Der Mensch wo ihm nichts übrig blieb
Drum führte fort den großen Krieg
Und Stalin lehnt sich stolz zurück
Er hat die halbe Welt verrückt
Der Krieg war aus es gab ihn nie
C’est la vie

Europa ward entzweigeteilt
Die USA bereits weltweit
Und bald schon gab’s man ahnt es schon
Krieg; mit der Sowjetunion
Dass selbst der Mann im Mond gesagt
Gott sei Dank der INF-Vertrag
Schiffe vor Kuba gab es die?
C’est la vie

Im Porzellan ein Elefant
Amerika gespalten Land
Es bleibt der große Handels-Krieg
Und führt er keinen auch zum Sieg
Im Osten war die Annexion
Europa stört die Union
Soldat, du wünschst dir Frieden, wie?
C’est la vie
Sellerie

Gerry Huster

Der Unfall im deutschen Zoo

Es ereignete sich am Montagmorgen im Zoo des Herrn Frank-Walter S. ein schreckliches Ereignis. Daselbst kletterte eine Gruppe von Kindern im Spiel in das Gehege eines schlafenden Löwen, um mit dem alten Gesellen, den sie für ungefährlich hielten, ihren Spaß zu treiben. Der Löwe jedoch, einmal geweckt, stürzte sich auf die Kinder, die überzeugt waren, auf diesem reiten zu können, und zerfleischte sie ohne größere Mühen. Einmal Blut geleckt, waren ihm die kleinen Körper der Kinder jedoch nicht genug und so verließ er seinen Schlafplatz seinen Magen zu füllen. Als die Besucher die majestätische und für gewöhnlich schlafende Katze mit blutigem Maul in ihrem Gehege umhergehen sahen, erkannten die meisten die Gefahr und hielten sich fern von dem Löwengehege. Einige wenige jedoch waren fasziniert von der Majestät des Löwen und näherte sich alle Vorsicht fallen lassend den Gitterstäben. Der Löwe, der durch seinen Hunger zu besonderen Kraftanstrengungen fähig war, schaffte es, über selbige zu springen, und jagte zunächst jene, die ihm am nächsten waren. Anschließend trieb er im gesamten Zoo sein blutiges Unwesen, bis er auch den letzten Besucher ausfindig gemacht und getötet hatte. Erst das beherzte Eingreifen eines zufällig vorbeikommenden Passanten, der sich von einem Pfleger ein Gewehr geben ließ und damit dem Löwen direkt in sein Herz schoss, verhinderte, dass dieser auch außerhalb des Zoos seine Nahrung suchte.

Gerry Huster

westlich

Wo auf einer Insel ein Volk fett feiernd lebt

Und selbst das Gesindel sonntags auf Fleisch besteht

Sind in Ozeanen der Sklaven mehr und mehr

Flehet um Erbarmen der Armen großes Heer

Wo die Gelder fließen in Weihrauch Gold und Licht

Und die Trauben sprießen wo niemand sie noch bricht

Hinter den Kulissen der Armen große Schar

Kriegen keinen Bissen von dem was ihres war

Wo die Reichen singen in Freude Lust und Tanz

Und die Lieder klingen als Boten ihren Glanz

Bildet in den Fernen der Mensch den Mensch sich ein

Eilet zu den Sternen ein Tier nicht mehr zu sein

Wo auf einer Insel ein Volk fett feiernd lebt

Und selbst das Gesindel sonntags auf Fleisch besteht

Sind die feinen Herren selbst wenig Mensch nicht mehr

Irgendwann in Särgen wird doch ihr Gold zu schwer

Gerry Huster