Aufleuchten

Aufleuchten

Als der Mond ganz oben stand
War es nüchtern, wie aus Stahl so klar
Dass das Eingeweide sah
Er sich oben statt des Himmels wand
Wie aus Schmerzen

Und die Bäume neigten sich
Tote Äste ohne Laub von Wind
Entblättert: Einer Mutter Kind
Lustig redet er wenn er denn spricht
Vom Vergehen

Nur die Wolken zogen hin
Unbeeindruckt von dem weißen Schein
Über ihnen kalt ein Stein
Der ja da war schon seit dem Beginn
Aller Wolken

Rufend schaut ein Narr den Mond
Zeigt ins schwarze Nichts verlangt nach mehr
Wütend rast ein Wolkenheer
Wo erkaltend er in Ketten wohnt
Um zu töten

Gerry Huster

Winde

Winde

Wo ein Blatt vom Baum fällt
Der Wind fängt es sich auf
Trägt dann in die Winde
Das Blatt in irrem Lauf

Wirft es hoch und runter
Und zeigt ihm irgendwas
Wenn die Zeit gekommen
Fällt es ins grüne Gras

Zynisch treiben Winde
Das Blatt an mir vorbei
Kann es doch nicht fassen
Zu schnell ist es; Verzeih!

Bin doch selber Laub nur
Das sich im Wind verfängt
Voller Zweifel Glück leicht
In Spinnennetzen hängt

Gerry Huster

Fall – Ein Herbstgedicht

Fall

Schau her mein Herz des Sommers Grün
Ist vor uns noch verschwunden
Wie stachen seine Blumen kühn
In unsre warmen Wunden

Wie sanft und mutig fallen die
Noch einst so stolzen Blätter
Und doch mein Herz du zitterst wie
Bedrückt dich denn das Wetter

Du sahst wohl gelbes Laub
In deiner Zukunft steigen
Wo grau die Sonne scheint

Spätsommerlicher Staub
Ermahnt dich wohl zu schweigen
Und schweigen was uns eint

Gerry Huster

Die Reisenden

Die Reisenden

Auf meinen Wegen traf ich
Den bunten Spielmannszug
Ich zog mit ihm er nahm mich
Zum Clown und Denker gut

Man gab mir bunte Sachen
Und Doktorwürden drauf
Ich brachte sie zum Lachen
Und nahm den Rest in Kauf

Nur abends an dem Feuer
Da wärmte mich kein Licht
Sie spielten ungeheuer
Wie Holz in Flammen bricht

Wie sie die Freude bringen
So Wolken mit mir ziehn
Und wo sie lustig singen
Muss Es dem Ich entfliehn

So packte ich mein Bündel
Und stahl mich heimlich fort
Ich war und blieb Gesindel
Hier wie an anderm Ort

Gerry Huster

Aufbruch

Aufbruch

Aus. Aus! du blaues Licht
Grün verlass ich deine Kälte
Es hält die Starre nicht
Die ich erfuhr als ich dich wählte

Hinfort von mir ihr Bleigewichte
Die giftig meinen Hals gefüllt
Es muss geschehn dass ich vernichte
Ein Leben das sich nie gefühlt

Ihr schönen Federflügel die
Ihr doch mit altem Teer geklebt
Wir flogen oft doch sahen nie
Wie eine Wiese rotgrün blüht

Im Flug noch denke ich O Heimat
Du gabst und warst zu mir so gut
Wie konnte werden dass ich klein ward
Und fast ertrink in Wasserflut

Gerry Huster

Wieder-Sehen

Wieder-Sehen

Als ich meine Heimat verließ
Da regneten die Wolken als
Ob der Himmel weinen würde
Dass ich fortging

Aber als ich in der Ferne ankam
Da war derselbe Himmel meiner Heimat über mir
Und dieselbe Sonne ließ die Blumen
Auf meinem Grabe erblühen und verdorren
Die auch das Haus meiner Geburt beschienen hatte

Unter diesem Himmel und dieser Sonne
Setzte ich mich
In der Ferne meiner Heimat
Zu Staub und weinte

Gerry Huster

Die Tempel

Die Tempel
Durch trübe Gläser eines Tempels
Schaut eine Wolke rein
Die haben Winde hergetrieben
Zu dieser Tempelpein

Die Wolke lockt des Tempels Türe
In ursprünglicher Macht
Allein der Tempel bleibt verschlossen
Er selbst hält für sich Wacht

So viel wie Menschen sich auch schaffen
In ihrer Erdenzeit
Der Wolke schien  nur dieser Tempel
Im Leben zum Geleit

Was quälst du Wolke diesen Tempel
Der so gut zu dir ist
Wie kann es dir denn nicht genügen
Dass du am Fenster bist.

Gerry Huster

Frühlingserwachen

Frühlingserwachen

Des Nachts im süßen Schlaf die dunkle Decke
Schnee begrub mich unter kaltem Schein
Ganz weiß und weich dass ich mich nicht erschrecke
Schwindet langsam unbemerkt das Sein

Des Morgens Wärme weckt den alten Schläfer
Wütend schaut die Sonne heute zu
Der Schnee zerrinnt und Matsch ertränkt wie Käfer
Nichts als Sehnsucht bleibt von guter Ruh

Sag, kann denn Schnee nicht Hagel sein
Der mich im Traum erschlägt
Und trägt; aus dieser Welt

Sag, warum ist die Nacht so klein
Was habe ich gewählt!
Es zählt; nichts was behält

Gerry Huster

Glaskörper

Glaskörper

Oh Zukunft

Junge Frau im weißen Brautkleid
Silbern fällt dein Schleier hinten herab
Aus Myriaden fester Brüste
Gibst du deinen Kindern süße Milch

Du alte Frau du immerwährende
Die stetig stirbt und neu geboren wird
Einer Mutter, Freundin, Tochter gleich
Stehst du da mit Strickzeug in den Händen der Geschichten

Schwarz legt sich der Schleier über mein Gesicht
Ganz wie als wäre es das einer Witwe
Und noch die süße Milch verformt
Mein dummer Mund zu kalter Asche

Frohgemut eile ich der Zwangshochzeit entgegen
Zu dir im Brautkleid aller Farben
Allein sehenden Auges kann ich nicht bestehn
Ich fürchte mich vor dir

Gerry Huster

Totengedanken

Totengedanken

Es war mir nicht sehr überraschend
Dass du einen Liebhaber hattest und doch
Als er zu dir kam dich umfassend
Der Mond schien so bleich und er schien immer noch
Da schien die Welt
Für kurze Zeit
Aus Eis zu sein

Ich weiß dass für dich vieles Grün war
Wo ich so viel Schwarzes da sehe nun ist
Das Gras schon am wachsen und fruchtbar
Kommt Frühling grad wo du gegangen und frisst
Und was entstellt
Kann ohne Zeit
Das Höchste sein

Gleich wie dein Geliebter zu dir kam
Kommt meine Geliebte erwartet so bang
Und silbern der Mondschein entblößt dann
Die Scham die uns antreibt verbleibt hier nicht lang
Drum weiß die Welt
In Ewigkeit
Kann Fleisch nicht sein

Gerry Huster

Meiner Großmutter