Spaziergang über einen Friedhof

Spaziergang über einen Friedhof

Die Einrichtung der Welt ist schwer ergründlich
Und niemals ganz das Dickicht zu durchschau’n
Des Lebens Blatt hängt schwach und fällt vom Baum
Es scheint manchmal zu früh; zu spät; nie pünktlich

Ein Wind ist schwer zu fassen, denn er fließt
Durch uns’re schwachen Hände, wenn er will
Und scheint die ganze Welt in Trauer still
Sieht man im Fluss, wie Leben sich ergießt

Man steht dort zwischen Steinen, ist verblieben
Aus jedem Toten wächst ein fauler Zahn
Darunter liegt wer, dessen Weg getan

Voll Scham wird er von dieser Welt gemieden
(Das sah ich auf einen Grabstein geschrieben
Ganz zufällig)

Gerry Huster

Die letzte Straße

Die letzte Straße

Vor dem offenen Fenster ein Vorhang aus Glas
Der Wind bläst ihn manchmal auf
Wo er hängt schon seit Jahren an Staub sich weiß fraß
Wie Milch sieht er langsam aus

Ohne Menschen dahinter die Straße aus Sand
Ein Hund knurrt drin ab und zu
Gegenüber noch Häuser dahinter noch Land
Man weiß es kommt eine Flut

Oben Himmel hellblau hängt er da wie ein Zelt
Und kalt bleibt er sonnenlos
Eine Wolke die fett schon als Regen zerfällt
Der Schweiß rinnt und tropft in Kot

Vor dem Fenster am Vorhang steht nachts oft ein Bett
Ein Mensch liegt ganz wund darin
Und der Staub fliegt der Mensch frisst nur Staub und wird fett
Am Tag presst er Staub zu Kind

Gerry Huster

Dämmerung

Dämmerung

Jetzt scheint es so die Erde hat
Sich von der Sonne weggedreht
Wir haben auch den Tag mal satt
Wo nur ein mattes Lüftchen weht

Es ist natürlich leicht die Nacht
Als schwarzes Etwas anzusehn
Und doch werden in ferner Pracht
Am Himmel neue Sonnen stehn

Vielleicht gibt’s einen neuen Stern
Der für uns seine Strahlen gibt
Ich glaub daran ist es auch fern
Was mit uns unsre Nacht besiegt

Es bleibt ja auch nicht ewig Nacht
Dann wird das Blut zu Morgenrot
Die Nacht die von uns wurd gemacht
Ist wie der Tag von uns bedroht

Gerry Huster

Von den drei Menschen die einen Zug ziehen

Von den drei Menschen die einen Zug ziehen
(Auch – politisch zu lesen)

Mit harten kampfgestählten Körpern
Einen grünen Hügel rauf
Ziehen drei Männer einen Zug
Und fragen

Wo gehen wir denn hin?
Was war denn da so schlimm?
Wo liegt darin der Sinn?
Fragen sie
Und im Zug fragen Schweine
Fährt denn der Zug alleine?

Es beißt die Männer rot die Sonne
In die Augen rinnt der Schweiß
Drei Männer fallen vor den Zug
Und klagen

Wir sind doch auch nur drei!
Es geht nicht mehr vorbei!
Wir kommen niemals frei!
Klagen sie
Und im Zug rufen Schweine
Der Zug fährt von alleine!

Rings umher ist flach die Landschaft
Keine Schiene ist zu sehn
Drei Männer tragen einen Zug
Und sagen

Da müssen wir jetzt hin.
Sonst geht es uns sehr schlimm.
Wer fragt da nach dem Sinn.
Sagen sie
Und sagen’s auch die Schweine
Der Zug fährt nicht alleine.

Gerry Huster