der zug

Der Zug

Verschwunden ist das Stampfen der Räder
Der Zug bleibt

Im Dunkeln gleitend nächtelang
Durch die Welt erfüllt
von gleichen fremden
Gesprächen Fremder
Sprachen durch die
Weiten Lande

Im Fenster meines Zuges sehe
Ich mein Leben
dahinfließen während
Ich gefangen
In Zügen ohne Türen gehe
Auf weichenlosen Schienen rufe
Ich ungehört
diesen schlag meines herzens

Verschwunden ist der Dampf der Ventile
der zug bleibt!

gerry huster
der sich selbst verschollene

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Antikampfruf

Antikampfruf

Und wenn er dich da in den Krieg schickt
O Mensch
Bedenke dass du noch ein Mensch bist
Kein Tier
Bedenke dass es keinen Sieg gibt
O Mensch
Wenn du doch im Menschen dich selbst frisst
Das Wir

Und wenn du dann liegst in den Gräben
O Mensch
Bedenke dass drüben ein Mensch ist
Kein Tier
Drum folge dann nicht Kriegschorälen
O Mensch
Der Fahne die du Tyrannei hisst
Nicht dir

Und wenn der Beherrscher den Krieg will
O Mensch
So denke dass dein Geist noch frei sei
Kein Tier
Dann schweigen die Waffen der Welt still
Ein Mensch!
Und singen tut nicht mehr der Welthai
Nur Wir

Gerry Huster

Mein Antikampfruf mag verhallen; aber niemand soll kommen Ich hätte nichts gesagt.

Abschied der Liebe

Abschied der Liebe

Sag spürst du den Wind
Der mich umweht
In Liebe so sind
Wir eng verweht

Und bin ich verwelkt
In balder Zeit
So fluch nicht die Welt
Die dir verbleibt

Auch Sterne müssen sterben
Damit was leben kann
In dieser Welt

Des Todes weiße Schergen
Der dunklen Welten dann
Ist was erhält

Der eisige Wind
Ist was ich bin
Und mein Geistes Kind
Bleibt ohne Sinn

Geliebte so bricht
Mein Selbst vor dir
Drum schaue mich nicht
Doch geh von mir

Drum sollte man nicht lieben
Weil es vergehen kann
In dieser Welt

So liebe ich verschwiegen
Und werde sterben dann
Wie sie zerfällt

Gerry Huster

Rezitativ der Flüchtenden

Rezitativ der Flüchtenden

  1. Wie dunkel sind die feuchten Höhlen. Die Fabriken wo Reichtum geschaffen wird.

(refrain):
Noch einen Schritt Nur einen Schritt
      Der Marsch geht weiter
      die pechschwarzen Reiter
                  Gnade wer mit ihnen stritt
Tu deinen Schritt nur einen Schritt

2. Wie zahlreich sind unsere Massen im Rahmen der Unendlichkeit

(ref.)

3. Wie mächtig ist der Gott der Winde auf dem Meer. Der Gott der rasenden Kugeln, der ewigen Menschlichkeit.

(ref.)

4. Wie groß ist unser Zweifeln auf dem ewigen Sterben des Weges.

(ref.)

5. Wie weit ist unsere Heimat in der Unbestimmtheit des Universums.

(ref.)

6. Wie süß scheint das Menschenrecht privilegierter Völker.

7. Wie dunkel scheint die Nacht der verschlossenen Türen.

8. Wie erschreckend scheint der Gang des ruhigen Meeres.

9. Wie traurig klingt die Geige in der Einöde des menschlichen Herzens.

(ref.)

10. Wir sind die Masse der ungekannten Namen. Wir ziehen für die Ewigkeit. Einige verschwinden aus uns. Andere kommen hinzu. So ist das. Wir sind Vertriebene ohne Richtung

Noch einen Schritt nur einen Schritt
      Der Marsch geht weiter
      die pechschwarzen Reiter
                  Und wenn man mit ihnen stritt
Wär das dein Schritt der eine Schritt

Gerry Huster

Tränentraum

Tränentraum

Ich wünschte eine Träne
Trät‘ aus dem Aug‘ heraus
Dass als dann jeder sähe
Den mächt‘gen Todesrausch

Ich wünschte mein Gesichte
Wär‘ nass vom Tränenstrom
Es ginge dann zunichte
Des meinen schwarzer Thron

Ich wünschte mir die Träne
Würd‘ steigen hoch empor
Und in der Himmelssphäre
Durch ewig golden Tor

Und doch wie ich auch rede
Vom schönen Irgendwann
Ich bleibe in der Schwebe
Weil ich nicht weinen kann

Gerry Huster

Sternschnuppen-Schauer (Wünsch‘ dir was)

Sternschnuppen-Schauer

Ein Stern zerfällt
An Himmels Atmosphäre
Und schaut die Welt
Auf der so gern er wäre

Es rast ein Stein
Durch Weltalls tiefe Weiten
Und noch sein Schein
Weilt bis in Ewigkeiten

Es scheint das Licht
Der Erde helle Tage
Und doch es bricht
Kein Laut und keine Klage

Du armer Stern
So bist auch du gestorben
Und wärst so gern
Von uns einer geworden

Im Angesicht einer zynischen Welt
Gerry Huster

Gedanken zum neuen Jahr

Ein Jahr ist rum. So viele Tage. Wochen, Stunden.
Es ist vorbei. Ein weiteres Jahr voller Leiden und Schmerz. Aber auch Glück.
Mitte des Jahres habe ich diesen Blog eröffnet und er hat inzwischen 42 Follower. Ich weiß nicht, ob das viel ist für ein halbes Jahr. Es ist mir auch egal. Ich habe mich jedenfalls weiterentwickelt von meinen ersten Gedichten. Und ich werde es weiter tun.
Der erste Tag im Jahr und ich schreibe diese Zeilen. Man kann schlechter ins neue Jahr starten.
Gerade stört mich eine Nachricht. Ich will keine Nachrichten bekommen.
Ich schaue nach, was es war. Nichts wichtiges. Ich schreibe weiter.
Gestern mittag habe ich einen Spaziergang gemacht. Dabei ist mir ein Haiku eingefallen.


Haiku Nr. 17
Verlorene Zeit
Kehrt nicht mehr zu mir zurück
Außer in Tränen

Ich habe viel Zeit verloren.
Aber auch viel Zeit verwertet und genutzt.
Kann ich zufrieden sein?
Zufrieden sein ist ein Privileg der Tierwelt
Aber manchmal holt mich die verlorene Zeit ein.
Dann verfluche ich mich.
Schreie mein Spiegelbild an, will, dass es aufhört, mich zu verfolgen.
Aber das tut es nicht.
Das alte Jahr war ganz in Ordnung.
Ich bin dankbar für diesen Blog.
Dankbar um jeden, der meine Texte liest.
Das gibt mir Zuversicht.
2018 war o.k.
2019 wird es wohl auch.
Ein frohes neues Jahr

Gerry Huster 01.01.2019


Das ist mein Haiku

Ich veröffentliche die Haikus normalerweise nicht auf meinem Blog.

Wer möchte findet sie auf Instagram

https://www.instagram.com/gerryhuster/

Oder unten links auf meinem Blog

Der ewige Zustand

Der ewige Zustand

Die Welt ist arm der Mensch ist schlecht
Das schrieb zuweilen Bertolt Brecht
Der Mensch wo ihm nichts übrig blieb
Drum führte fort den großen Krieg
Und Stalin lehnt sich stolz zurück
Er hat die halbe Welt verrückt
Der Krieg war aus es gab ihn nie
C’est la vie

Europa ward entzweigeteilt
Die USA bereits weltweit
Und bald schon gab’s man ahnt es schon
Krieg; mit der Sowjetunion
Dass selbst der Mann im Mond gesagt
Gott sei Dank der INF-Vertrag
Schiffe vor Kuba gab es die?
C’est la vie

Im Porzellan ein Elefant
Amerika gespalten Land
Es bleibt der große Handels-Krieg
Und führt er keinen auch zum Sieg
Im Osten war die Annexion
Europa stört die Union
Soldat, du wünschst dir Frieden, wie?
C’est la vie
Sellerie

Gerry Huster

Moderne

 

Moderne

Ich habe meine Seele
Von aller Last befreit
Und bin nun in der Schwebe
Zu niemals Nichts bereit

Wir fliegen durch die Gassen
Und die Musik beschallt
Man kann uns gar nicht fassen
Denn schon sind wir verhallt

Es glimmen Zigaretten
In Amsterdam am Meer
In promiskuiten Betten
Wiegt niemand mehr noch schwer

Es sitzt ein Kind am Wege
Mit stumpfem Blick und weint
Ich habe meine Seele
Von aller Last befreit!


Gerry Huster

Der Holztisch – Eine Hypotaxe

Der Holztisch – Eine Hypotaxe

Als ich an dem frühen Morgen des Sonntages, der schon seit den ersten seiner Stunden trüb und grau gewesen war,auf der Terrasse eines am Meer gelegenen kleinen französischen Cafés, welchesum die frühen Morgenstunden noch bis auf die freundlich und doch müde lächelnde, gerade an der Grenze dessen, was man als „Jugend“ zu bezeichnen pflegt, angekommene Bedienung, die hier erst seit eben diesem Tag in dem Café angestellt war und eine höflich-zuvorkommende alte Dame, die nun in Rente gegangen war, um sich mehr auf das zu konzentrieren, was sie das„Halbleben“ nannte, weil sie keine Kraft mehr fand, das ganze Leben zu leben, aber immer noch freundlich und geistreich aus ihren kleinen Äuglein unter denmächtigen Augenbrauen und dem ergrauten aber vollen lockigen Haar blitzte, ersetzt hatte, gänzlich leer war, wenn man von dem alten und struppigen und ungebeten treuen Hund, welcher einen mit Augen pflegte anzusehen, die von all dem Leidenund Trauern einer jeden intelligenten Kreatur sprachen, einmal absieht, der jeden Morgen kam, um sich unter dem an der Wand befestigten alten Heizkörper so lange von der Kälte der Nacht zu wärmen, bis ihn die alte Dame entdeckt und lachend-wütend aus dem Café gejagt hatte, die Morgenstunden genoss und die vom Meer, welches bei Flut bis an die Stufen der Terrasse reichte, sich jedoch an diesem Morgen zurückgezogen hatte, gesalzene und kühle Luft um meine Nase spielen ließ, während ich meine Ohren mithilfe einer Mütze vor der Kälte zu schützen versuchte, was mir mit allenfalls mäßigem Erfolg gelang, sowie eine einzelne Möwe bei ihrem majestätischen Gleitflug beobachtete, den sie nur ab und an unterbrach, um ins Meer hinabzutauchen und -augenscheinlich immer erfolglos- nach Fischen zu schnappen, sodass sie nun schon ob ihres Misserfolgs seit längerem über dem Meer glitt, während ich meinen heißen Kaffee, welchen ich selten trank, da mir dieses schwarze Gebräu ob seines bitteren Geschmacks für gewöhnlich zutiefst zuwider war, schlürfte und ab und an einen kleinen Bissen meines Croissants, das in dem Café gebacken worden war und ganz wie der Kaffee nach meiner bescheidenen Meinung das beste seiner Art war, auf einem kleinen grauen Stuhl an einem von der salzgeschwängerten Luft im Laufe der Jahre ganz ausgebleichten ehemals mahagonifarbenen Holztisch, der hier bereits seit den Jahrzehnten stand, die für mich zu früh gekommen waren und an dem die Spuren von ungezählten Fluten und Tellern und Essensresten und Kaffeeflecken und Regengüssen nicht spurlos vorüber gegangen waren, der aber dennoch rein und würdevoll jedem erschien, der das Glück hatte, sich an seine hölzerne Seite setzen zu dürfen und seines allzu offensichtlichen Alters zum Trotz nicht den Eindruck erweckte, seine ehrwürdige Tätigkeit als Unterlage und Stütze für all die Gäste des Cafés aufgeben zu wollen sondern vielmehr eine gar erotische und ewige Ausstrahlung hatte, die ihn für meinen Geist von allen anderen Tischen unterschied und der für immer an seinem Platz stehen zu wollen schien, um das Kommen und Gehen dieses blauen Giganten zu beobachten und das Gewimmel an Menschen unter dem blauen Himmel mit seinen Wolken in alter Weisheit ruhig über sich ergehen zu lassen, saß, betrachtete ich mich in einer Pfütze, die sich von dem letzten Regen, der vor einer guten Stunde in einem kurzen aber starkem Schauer, der mit starken Winden einherging, die in der Straße des Cafés zwei Straßenschilder umgeworfen hatten, niedergegangen war, in einer Kuhle auf demTisch gebildet hatte, spiegelte und mein Spiegelbild betrachtete, und wurde mir meiner Jugend bewusst, die sich auf diesem alten Tisch abzeichnete, wobei ich meine Mütze abnehmen musste, um mir durch meine vollen blonden und weichen Haare zu streifen, und die glatte Haut meines jungen und unerfahrenen Gesichtes zu betrachten und die darin gelegenen gerade über der wuchtigen und doch feingeschnittenen Nase platzierten Augen, welche das einzige Farbtüpfelchen zwischen dem grauen Himmel und meiner weißen Haut zu sein schienen, die in all der Ernsthaftigkeit, die die Jugend wohl aufzubringen vermag und in all der Weisheit, die sie vorzutäuschen in der Lage ist, erstrahlten, zu bestaunen, sowie meine von der trockenen Luft des beginnenden Winters ganz spröde und inTeilen gar aufgesprungenen Lippen anzuschauen, welche noch nie ihren Weg zudenen einer Frau gemacht hatten und ich bedauerte sie und entschuldigte mich bei ihnen, ihnen nie die Möglichkeit, die erste Erfahrung und den erstenKontakt mit ihrem weiblichen Gegenstück zu machen, gegeben zu haben, als mir einfiel, dass doch gerade morgen vor einem Jahr mein letzter Geburtstag gewesenwar und ich war mir ob der Ironie der Sache wohl bewusst.

Gerry Huster