Die Entdeckung der Anderen

Die Entdeckung der Anderen

Ich sitze in einem raum
alleine, sonst
ist der raum mit menschen gefüllt und
verstopft doch jetzt
sehe Ich staunend die leeren wände egal

wie Ich mich aufblase hier
alleine, groß
und blank bleiben die wände und
ich selber kann
sie nicht ausfüllen ohne die Anderen

Gerry Huster

Zweisamkeit

Zweisamkeit

Meine Instrumente spielend
Einsam schöne Lieder zog
Durch die Sommer meistens frierend
Sehnsucht spürend ich den Tod

Winter ist es nun geworden
Sommer schwindet Sehnsucht bleibt
Und die Früchte sind verdorben
Hinter mir der Tod; er schweigt

Alt und schwächelnd schaut er seinen
Sohn mich an, was ich getan
Mach ein Feuer ihm aus Geigen
Dass er sich dran wärmen kann

Gerry Huster

Von den drei Menschen die einen Zug ziehen

Von den drei Menschen die einen Zug ziehen
(Auch – politisch zu lesen)

Mit harten kampfgestählten Körpern
Einen grünen Hügel rauf
Ziehen drei Männer einen Zug
Und fragen

Wo gehen wir denn hin?
Was war denn da so schlimm?
Wo liegt darin der Sinn?
Fragen sie
Und im Zug fragen Schweine
Fährt denn der Zug alleine?

Es beißt die Männer rot die Sonne
In die Augen rinnt der Schweiß
Drei Männer fallen vor den Zug
Und klagen

Wir sind doch auch nur drei!
Es geht nicht mehr vorbei!
Wir kommen niemals frei!
Klagen sie
Und im Zug rufen Schweine
Der Zug fährt von alleine!

Rings umher ist flach die Landschaft
Keine Schiene ist zu sehn
Drei Männer tragen einen Zug
Und sagen

Da müssen wir jetzt hin.
Sonst geht es uns sehr schlimm.
Wer fragt da nach dem Sinn.
Sagen sie
Und sagen’s auch die Schweine
Der Zug fährt nicht alleine.

Gerry Huster

Drachen

Drachen

Denn wir sind doch Drachen
Die am Strand hochfliegen
Und ganz freundlich runterschauten
Auf die Kinder die uns halten die
Wir selber sind
In Winden
An Seide vom Boden gehalten
Tanzen

Nach oben jedoch
Grinsen die Drachen höhnisch in den Himmel
Mit verblassenden Farben
Und Stangen ragen hässlich
Aus ihren zerrissenen Rücken

Und manchmal
Wenn ein Kind einen Drachen schaut
Dass es am Strand das Meer vergisst
Kommt eine Welle
Und das Meer
(Falscher Himmel!)
fordert seinen tribut

Gerry Huster

Aufleuchten

Aufleuchten

Als der Mond ganz oben stand
War es nüchtern, wie aus Stahl so klar
Dass das Eingeweide sah
Er sich oben statt des Himmels wand
Wie aus Schmerzen

Und die Bäume neigten sich
Tote Äste ohne Laub von Wind
Entblättert: Einer Mutter Kind
Lustig redet er wenn er denn spricht
Vom Vergehen

Nur die Wolken zogen hin
Unbeeindruckt von dem weißen Schein
Über ihnen kalt ein Stein
Der ja da war schon seit dem Beginn
Aller Wolken

Rufend schaut ein Narr den Mond
Zeigt ins schwarze Nichts verlangt nach mehr
Wütend rast ein Wolkenheer
Wo erkaltend er in Ketten wohnt
Um zu töten

Gerry Huster

Winde

Winde

Wo ein Blatt vom Baum fällt
Der Wind fängt es sich auf
Trägt dann in die Winde
Das Blatt in irrem Lauf

Wirft es hoch und runter
Und zeigt ihm irgendwas
Wenn die Zeit gekommen
Fällt es ins grüne Gras

Zynisch treiben Winde
Das Blatt an mir vorbei
Kann es doch nicht fassen
Zu schnell ist es; Verzeih!

Bin doch selber Laub nur
Das sich im Wind verfängt
Voller Zweifel Glück leicht
In Spinnennetzen hängt

Gerry Huster

Wieder-Sehen

Wieder-Sehen

Als ich meine Heimat verließ
Da regneten die Wolken als
Ob der Himmel weinen würde
Dass ich fortging

Aber als ich in der Ferne ankam
Da war derselbe Himmel meiner Heimat über mir
Und dieselbe Sonne ließ die Blumen
Auf meinem Grabe erblühen und verdorren
Die auch das Haus meiner Geburt beschienen hatte

Unter diesem Himmel und dieser Sonne
Setzte ich mich
In der Ferne meiner Heimat
Zu Staub und weinte

Gerry Huster

Die Tempel

Die Tempel
Durch trübe Gläser eines Tempels
Schaut eine Wolke rein
Die haben Winde hergetrieben
Zu dieser Tempelpein

Die Wolke lockt des Tempels Türe
In ursprünglicher Macht
Allein der Tempel bleibt verschlossen
Er selbst hält für sich Wacht

So viel wie Menschen sich auch schaffen
In ihrer Erdenzeit
Der Wolke schien  nur dieser Tempel
Im Leben zum Geleit

Was quälst du Wolke diesen Tempel
Der so gut zu dir ist
Wie kann es dir denn nicht genügen
Dass du am Fenster bist.

Gerry Huster

Totengedanken

Totengedanken

Es war mir nicht sehr überraschend
Dass du einen Liebhaber hattest und doch
Als er zu dir kam dich umfassend
Der Mond schien so bleich und er schien immer noch
Da schien die Welt
Für kurze Zeit
Aus Eis zu sein

Ich weiß dass für dich vieles Grün war
Wo ich so viel Schwarzes da sehe nun ist
Das Gras schon am wachsen und fruchtbar
Kommt Frühling grad wo du gegangen und frisst
Und was entstellt
Kann ohne Zeit
Das Höchste sein

Gleich wie dein Geliebter zu dir kam
Kommt meine Geliebte erwartet so bang
Und silbern der Mondschein entblößt dann
Die Scham die uns antreibt verbleibt hier nicht lang
Drum weiß die Welt
In Ewigkeit
Kann Fleisch nicht sein

Gerry Huster

Meiner Großmutter

Die Entrückung

Die Entrückung

Des Morgens denn die Sterne schliefen in der Nacht so schön
Ging ich von dieser Welt sie war zu voll
Ich ging im Ganzen damals unbesehn
Groß war sie diese Welt denn sie war toll

Es lag eine Stille über diesem Meer und sie war wundersam
Weich spiegelte der Himmel sich darin
Ich liebte diesen Himmel und das Meer als ich da kam
Ich Gast der ich in reiner Stille bin

Nur manchmal schau ich noch die rote Erde
Sie liegt so klein und schwer und unter mir
Und produziert ihr ewiges Gelärme

Des sterbend noch gebärendem Getier
So zieht mich an das Feuer dieser Erde
So wie sie liegt ganz blutig unter mir

Gerry Huster