der zug

Der Zug

Verschwunden ist das Stampfen der Räder
Der Zug bleibt

Im Dunkeln gleitend nächtelang
Durch die Welt erfüllt
von gleichen fremden
Gesprächen Fremder
Sprachen durch die
Weiten Lande

Im Fenster meines Zuges sehe
Ich mein Leben
dahinfließen während
Ich gefangen
In Zügen ohne Türen gehe
Auf weichenlosen Schienen rufe
Ich ungehört
diesen schlag meines herzens

Verschwunden ist der Dampf der Ventile
der zug bleibt!

gerry huster
der sich selbst verschollene

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Lagebericht

Ein Wald mit vielen
Eingängen mit vielen
Pfaden mit einem
Ziel
Wege mit vielen
Freuden mit vielen
Leiden mit einer
Richtung
Ich mit vielen
Hoffnungen mit großen
Flügeln mit einer
Zukunft
Ich mit vielen
Erfahrungen mit großer
Schwere mit einer
Vergangenheit
Suche ver
Zweifelt
Nach einer
Abkürzung
Gerry Huster

Über mein Gedicht „résumé“

Es mag seltsam scheinen, dass ich eins meiner Gedichte „résumé“ genannt habe. Einem von meinem Alter mag es durchaus nicht zustehen, sich selber einzubilden, er habe eine Zusammenfassung über das Leben zu ziehen. Schließlich hat er ja selber noch nicht einmal einen Bruchteil seines Lebens erlebt und sein „es nützt nicht zu leben“ lässt sich wohl kaum ernst nehmen. Woher soll er das auch wissen?

Auch ich habe mir selbstverständlich darüber Gedanken gemacht, ob ein solches Gedicht mich nicht vielleicht komplett lächerlich erscheinen lässt, wenn ich ein solches Gedicht schreibe und ob es unter Umständen nur ein Zeugnis jugendlicher Selbstüberschätzung ist, wie alles, was ich schreibe jugendliche Selbstüberschätzung sein könnte.

Ich bin jedoch zu dem Schluss gekommen, dass ich gerade wegen meiner Jugend besonders in der Lage bin, ein solches Gedicht zu verfassen. Das hängt mit dem Lyrischen Ich des Gedichtes zusammen. Ein Resümee -wie die hässliche deutsche Schreibweise lautet- zieht man, nachdem etwas vorbei ist. Ein Resümee über das Leben kann man also in der Theorie erst dann ziehen, wenn man bereits tot ist. Da es jedoch aus offensichtlichen Gründen unmöglich erscheint, einen toten einen Text schreiben zu lassen, muss diese Aufgabe von lebenden übernommen werden. Hierzu eignen sich nach meiner Meinung in vielen Fällen nur die Jungen. Denn um objektiv an dieses heikle Thema heranzugehen, muss man eigentlich unsterblich -d.h. davon nicht betroffen- sein. Da jedoch auch dies unmöglich ist, braucht man Leute, die ihren eigenen Tod noch nicht vor Augen, sich jedoch schon mit dem Tod allerlei Leute –„bedeutenden“ wie „unbedeutenden“- auseinandergesetzt hat. Deswegen braucht es gerade jemand Jungen, um ein Resümee über das Leben zu schreiben. Jemand altes würde sich die Dinge u.U. schönreden, um seinen eigenen Tod gelassener zu sehen.

Was ebenfalls noch gesagt werden muss: Das Lyrische Ich aus dem Gedicht ist (bzw. war) Atheist. Ich bin kein Atheist, weswegen ich den Aussagen des Gedichtes zwar durchaus zustimme, jedoch noch an eine weitere Ebene glaube, in der unser Leben sehr wohl einen Sinn hat. Ich muss daran glauben. Andernfalls könnte ich mir genauso gut die Pulsadern aufschneiden.

Gerry Huster

Sollten Sie mein Gedicht résumé noch nicht gelesen haben, können Sie es hier tun. Es würde mich freuen.