Abgang

Abgang

Jetzt geht er endlich unter
Mein selbstgequälter Geist
Es war zu viel für den, der
Vom großen Spiegel weiß

Es war zu viel zu sehen
Im Silber hell und klar
Wo zwischen weißen Stelen
Nur blauer Nebel war

Nun ist der Schein erblindet
Und ich weiß nicht, woher
Und alles, was sich findet
Ist ruhiges, großes Meer

Ein einsamer Gedanke
Läuft nicht, wohin ich will
Ein Mensch hält diese Schranke
Vor der ich stehe, still

Gerry Huster

Versuchte Begegnung

Versuchte Begegnung

Wenn an einem schönen Tag zwei entgegenkommen
Und der Eine verspürt den Drang die Hand an den Hut zu legen
Dann nickt der Andere und stumm
Aus der Ferne grüßen sie sich
Denn man könnte so viel voneinander erfahren

Wenn sie dann stumm weitergehen
Aneinander vorbei
Sind beide erleichtert
Über die glückliche Begegnung

Gerry Huster

Die Entdeckung der Anderen

Die Entdeckung der Anderen

Ich sitze in einem raum
alleine, sonst
ist der raum mit menschen gefüllt und
verstopft doch jetzt
sehe Ich staunend die leeren wände egal

wie Ich mich aufblase hier
alleine, groß
und blank bleiben die wände und
ich selber kann
sie nicht ausfüllen ohne die Anderen

Gerry Huster

Die letzte Straße

Die letzte Straße

Vor dem offenen Fenster ein Vorhang aus Glas
Der Wind bläst ihn manchmal auf
Wo er hängt schon seit Jahren an Staub sich weiß fraß
Wie Milch sieht er langsam aus

Ohne Menschen dahinter die Straße aus Sand
Ein Hund knurrt drin ab und zu
Gegenüber noch Häuser dahinter noch Land
Man weiß es kommt eine Flut

Oben Himmel hellblau hängt er da wie ein Zelt
Und kalt bleibt er sonnenlos
Eine Wolke die fett schon als Regen zerfällt
Der Schweiß rinnt und tropft in Kot

Vor dem Fenster am Vorhang steht nachts oft ein Bett
Ein Mensch liegt ganz wund darin
Und der Staub fliegt der Mensch frisst nur Staub und wird fett
Am Tag presst er Staub zu Kind

Gerry Huster

Zweisamkeit

Zweisamkeit

Meine Instrumente spielend
Einsam schöne Lieder zog
Durch die Sommer meistens frierend
Sehnsucht spürend ich den Tod

Winter ist es nun geworden
Sommer schwindet Sehnsucht bleibt
Und die Früchte sind verdorben
Hinter mir der Tod; er schweigt

Alt und schwächelnd schaut er seinen
Sohn mich an, was ich getan
Mach ein Feuer ihm aus Geigen
Dass er sich dran wärmen kann

Gerry Huster

Die Reisenden

Die Reisenden

Auf meinen Wegen traf ich
Den bunten Spielmannszug
Ich zog mit ihm er nahm mich
Zum Clown und Denker gut

Man gab mir bunte Sachen
Und Doktorwürden drauf
Ich brachte sie zum Lachen
Und nahm den Rest in Kauf

Nur abends an dem Feuer
Da wärmte mich kein Licht
Sie spielten ungeheuer
Wie Holz in Flammen bricht

Wie sie die Freude bringen
So Wolken mit mir ziehn
Und wo sie lustig singen
Muss Es dem Ich entfliehn

So packte ich mein Bündel
Und stahl mich heimlich fort
Ich war und blieb Gesindel
Hier wie an anderm Ort

Gerry Huster

Die Tempel

Die Tempel
Durch trübe Gläser eines Tempels
Schaut eine Wolke rein
Die haben Winde hergetrieben
Zu dieser Tempelpein

Die Wolke lockt des Tempels Türe
In ursprünglicher Macht
Allein der Tempel bleibt verschlossen
Er selbst hält für sich Wacht

So viel wie Menschen sich auch schaffen
In ihrer Erdenzeit
Der Wolke schien  nur dieser Tempel
Im Leben zum Geleit

Was quälst du Wolke diesen Tempel
Der so gut zu dir ist
Wie kann es dir denn nicht genügen
Dass du am Fenster bist.

Gerry Huster