Nächtliche Tänze

Nächtliche Tänze (30.12.2020)

Blätter — welk — von der Rose
Nach und nach befreit
Legen sich in den Wind

Ich bin es nicht — nein
Schau, fass mich nicht an
Ich bin der vor mir, der Fremde
Unbekanntes Wesen, hoch-
geklappter Mantelkragen
Ich bin nur
Eine Jacke mit nichts drunter Au-
tomat, geh rüber zu mir
Ich bleibe hier auf meiner Scholle steh’n

Falle, schwarzer Schnee
Leichte Flocken die Rose
Verliert ihre Blätter zu viel
War gut zu ihr

Gerry Huster

Ein Faden Wolle

Ein Faden Wolle

Was sind Gedichte als blühende Worte?
Große Blumen in scheu gemähtem Rasen
Von Händen geformt, von Tränen begossen

Was sind Tränen als Stärke?
Und Schwäche, sie zurückzuhalten
Ein Mensch, der nach außen drängt

Was sind Menschen als vergehende Sterne?
Einsam strahlend am gemeinsamen Himmel
Langsam verglühend zum Zwerg

Gerry Huster

Sommerstunde

Ayacucho, Peru; November 2019

Sommerstunde

Die Sonne scheint geschwächt durch die Vorhänge
Ventilators Schatten dreht im Kreis
Die Autos hupen Harmonie-Gesänge

Die Leute auf der Straße tragen Kleider
Dünn der Stoff wie gut verwebte Luft
Die Form des Körpers ist der beste Schneider

Und draußen blühen Blumen für das Leben
Rosen wiegen sanft sich in dem Wind
Der fährt auch durch die Kleider wie ein Beben

Und in dem Spiegel seh‘ ich meine Augen
Mattes Grün verblasst auf meinem Bett
Und lächle leise brauch‘ es mir nicht rauben

Es legt sich eine Ruhe schwer dem Körper
Ärgerlich setz‘ ich mich auf vom Bett
Es schüttelt mich durch Ruhe ein Gestörter

Gerry Huster

(Mehr Fotos folgen hier)

Wieder-Sehen

Wieder-Sehen

Als ich meine Heimat verließ
Da regneten die Wolken als
Ob der Himmel weinen würde
Dass ich fortging

Aber als ich in der Ferne ankam
Da war derselbe Himmel meiner Heimat über mir
Und dieselbe Sonne ließ die Blumen
Auf meinem Grabe erblühen und verdorren
Die auch das Haus meiner Geburt beschienen hatte

Unter diesem Himmel und dieser Sonne
Setzte ich mich
In der Ferne meiner Heimat
Zu Staub und weinte

Gerry Huster