Über die Gedichtform „Haiku“

Die ursprünglich japanische Gedichtform Haiku besteht aus drei Versen. Diese müssen sich nicht reimen, sondern nur eine bestimmte Silbenanzahl haben. Vers eins und drei müssen fünf und Vers zwei sieben Silben beinhalten. Auch der Rhythmus ist egal. Traditionell wird in einem Haiku ein Bezug zur Natur hergestellt.

Da ein Haiku nun sehr kurz ist, halte ich es für ungeeignet, um eine persönliche Weltsicht oder bestimmte Sachverhalte darzustellen. Dazu bietet es einfach nicht den Raum. Komplizierte Situationen verlangen auch komplizierte Texte und ein Haiku besticht oftmals durch seine Einfachheit und Leichte in der Form. Ich verwende Haikus gerne, um Gefühle und einzelne Situationen darzustellen. Anstelle eines TItels nummeriere ich sie durch. Schon ein Titel würde den Aufbau des Haikus zu komplex machen. Mithilfe eines Haikus kann man seine Empfindungen auf simple und geordnete Art und Weise ausdrücken, kurze Momente oder Sehnsüchte festhalten, oder aber auch kleine Botschaften schicken. Wichtig ist dabei, die Gedichte zwar konkret und präzise zu formulieren, die Aussae jedoch nicht direkt zu tätigen, sondern in Symbolen und Formulierungen zu verbergen. Wenn ein Gedicht so wenige Wörter beinhaltet, ist jedes einzelne Wort umso wichtiger.

Gerry Huster

Hier geht es zu einem Haiku von mir.

 

Über mein Gedicht „résumé“

Es mag seltsam scheinen, dass ich eins meiner Gedichte „résumé“ genannt habe. Einem von meinem Alter mag es durchaus nicht zustehen, sich selber einzubilden, er habe eine Zusammenfassung über das Leben zu ziehen. Schließlich hat er ja selber noch nicht einmal einen Bruchteil seines Lebens erlebt und sein „es nützt nicht zu leben“ lässt sich wohl kaum ernst nehmen. Woher soll er das auch wissen?

Auch ich habe mir selbstverständlich darüber Gedanken gemacht, ob ein solches Gedicht mich nicht vielleicht komplett lächerlich erscheinen lässt, wenn ich ein solches Gedicht schreibe und ob es unter Umständen nur ein Zeugnis jugendlicher Selbstüberschätzung ist, wie alles, was ich schreibe jugendliche Selbstüberschätzung sein könnte.

Ich bin jedoch zu dem Schluss gekommen, dass ich gerade wegen meiner Jugend besonders in der Lage bin, ein solches Gedicht zu verfassen. Das hängt mit dem Lyrischen Ich des Gedichtes zusammen. Ein Resümee -wie die hässliche deutsche Schreibweise lautet- zieht man, nachdem etwas vorbei ist. Ein Resümee über das Leben kann man also in der Theorie erst dann ziehen, wenn man bereits tot ist. Da es jedoch aus offensichtlichen Gründen unmöglich erscheint, einen toten einen Text schreiben zu lassen, muss diese Aufgabe von lebenden übernommen werden. Hierzu eignen sich nach meiner Meinung in vielen Fällen nur die Jungen. Denn um objektiv an dieses heikle Thema heranzugehen, muss man eigentlich unsterblich -d.h. davon nicht betroffen- sein. Da jedoch auch dies unmöglich ist, braucht man Leute, die ihren eigenen Tod noch nicht vor Augen, sich jedoch schon mit dem Tod allerlei Leute –„bedeutenden“ wie „unbedeutenden“- auseinandergesetzt hat. Deswegen braucht es gerade jemand Jungen, um ein Resümee über das Leben zu schreiben. Jemand altes würde sich die Dinge u.U. schönreden, um seinen eigenen Tod gelassener zu sehen.

Was ebenfalls noch gesagt werden muss: Das Lyrische Ich aus dem Gedicht ist (bzw. war) Atheist. Ich bin kein Atheist, weswegen ich den Aussagen des Gedichtes zwar durchaus zustimme, jedoch noch an eine weitere Ebene glaube, in der unser Leben sehr wohl einen Sinn hat. Ich muss daran glauben. Andernfalls könnte ich mir genauso gut die Pulsadern aufschneiden.

Gerry Huster

Sollten Sie mein Gedicht résumé noch nicht gelesen haben, können Sie es hier tun. Es würde mich freuen.