Rezitativ der Flüchtenden

Rezitativ der Flüchtenden

  1. Wie dunkel sind die feuchten Höhlen. Die Fabriken wo Reichtum geschaffen wird.

(refrain):
Noch einen Schritt Nur einen Schritt
      Der Marsch geht weiter
      die pechschwarzen Reiter
                  Gnade wer mit ihnen stritt
Tu deinen Schritt nur einen Schritt

2. Wie zahlreich sind unsere Massen im Rahmen der Unendlichkeit

(ref.)

3. Wie mächtig ist der Gott der Winde auf dem Meer. Der Gott der rasenden Kugeln, der ewigen Menschlichkeit.

(ref.)

4. Wie groß ist unser Zweifeln auf dem ewigen Sterben des Weges.

(ref.)

5. Wie weit ist unsere Heimat in der Unbestimmtheit des Universums.

(ref.)

6. Wie süß scheint das Menschenrecht privilegierter Völker.

7. Wie dunkel scheint die Nacht der verschlossenen Türen.

8. Wie erschreckend scheint der Gang des ruhigen Meeres.

9. Wie traurig klingt die Geige in der Einöde des menschlichen Herzens.

(ref.)

10. Wir sind die Masse der ungekannten Namen. Wir ziehen für die Ewigkeit. Einige verschwinden aus uns. Andere kommen hinzu. So ist das. Wir sind Vertriebene ohne Richtung

Noch einen Schritt nur einen Schritt
      Der Marsch geht weiter
      die pechschwarzen Reiter
                  Und wenn man mit ihnen stritt
Wär das dein Schritt der eine Schritt

Gerry Huster

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Tränentraum

Tränentraum

Ich wünschte eine Träne
Trät‘ aus dem Aug‘ heraus
Dass als dann jeder sähe
Den mächt‘gen Todesrausch

Ich wünschte mein Gesichte
Wär‘ nass vom Tränenstrom
Es ginge dann zunichte
Des meinen schwarzer Thron

Ich wünschte mir die Träne
Würd‘ steigen hoch empor
Und in der Himmelssphäre
Durch ewig golden Tor

Und doch wie ich auch rede
Vom schönen Irgendwann
Ich bleibe in der Schwebe
Weil ich nicht weinen kann

Gerry Huster

Sternschnuppen-Schauer (Wünsch‘ dir was)

Sternschnuppen-Schauer

Ein Stern zerfällt
An Himmels Atmosphäre
Und schaut die Welt
Auf der so gern er wäre

Es rast ein Stein
Durch Weltalls tiefe Weiten
Und noch sein Schein
Weilt bis in Ewigkeiten

Es scheint das Licht
Der Erde helle Tage
Und doch es bricht
Kein Laut und keine Klage

Du armer Stern
So bist auch du gestorben
Und wärst so gern
Von uns einer geworden

Im Angesicht einer zynischen Welt
Gerry Huster

Der ewige Zustand

Der ewige Zustand

Die Welt ist arm der Mensch ist schlecht
Das schrieb zuweilen Bertolt Brecht
Der Mensch wo ihm nichts übrig blieb
Drum führte fort den großen Krieg
Und Stalin lehnt sich stolz zurück
Er hat die halbe Welt verrückt
Der Krieg war aus es gab ihn nie
C’est la vie

Europa ward entzweigeteilt
Die USA bereits weltweit
Und bald schon gab’s man ahnt es schon
Krieg; mit der Sowjetunion
Dass selbst der Mann im Mond gesagt
Gott sei Dank der INF-Vertrag
Schiffe vor Kuba gab es die?
C’est la vie

Im Porzellan ein Elefant
Amerika gespalten Land
Es bleibt der große Handels-Krieg
Und führt er keinen auch zum Sieg
Im Osten war die Annexion
Europa stört die Union
Soldat, du wünschst dir Frieden, wie?
C’est la vie
Sellerie

Gerry Huster

Moderne

 

Moderne

Ich habe meine Seele
Von aller Last befreit
Und bin nun in der Schwebe
Zu niemals Nichts bereit

Wir fliegen durch die Gassen
Und die Musik beschallt
Man kann uns gar nicht fassen
Denn schon sind wir verhallt

Es glimmen Zigaretten
In Amsterdam am Meer
In promiskuiten Betten
Wiegt niemand mehr noch schwer

Es sitzt ein Kind am Wege
Mit stumpfem Blick und weint
Ich habe meine Seele
Von aller Last befreit!


Gerry Huster

Nachtgedicht

Nachtgedicht

 

Im Stillen leg ich mich hienieder

schließ die augen

zieh dahin

Und stehen will ich niemals wieder

nur im dunkeln

mensch ich bin

 

Die Welt zerdreht die Himmel schwanken

strahlend blauer

mond erscheint

So leg um mich die feinen Pranken

so ersticke

was da weint

 

Im Mondschein sink ich in die Erde

und der himmel

scheint so klar

Auf dass ich niemals wieder werde

wie die Erde

ich einst sah

 

Der Frieden soll mich bald ereilen

blauer mond ver-

giss mich nicht

Ich mag hier nicht mehr noch verweilen

bis das letzte

Ich zerbricht

 

Gerry Huster

In letzter Zeit kam etwas weniger.

Ich hoffe, dieses Gedicht erreicht trotzdem alle, die Genuss daran haben.

Im grauen Feld

Im grauen Feld

Ein Stuhl aus Nägeln steht im grauen Feld

Darauf ein junger Hund der einsam bellt

Das Feuer frisst den Weg die Hitze brennt

Verschlingt die Ähren hilft nichts wem da rennt

Der Stuhl zerschmilzt der Hund mit Furcht im Blick

Doch niemand sieht die Träne hilft da nicht

Er schließt die Augen denkt an Sie zurück

Die Rose ist verkohlt die er gepflückt

Es scheint so leicht die Hitze wärmend klar

Und schon weiß niemand noch dass er einst war

 

Gerry Huster

Das halbe Glück

In einem Wald da steht ein Leiermann

Im Schneegestöber spielt was Es ersann

Der Tanz der weißen Dame schnell vergeht

Ein schwarzes Kleid durch Trauer hell gewebt

Der See aus Eis ist bläulich unterm Mond

Das Laub der Bäume ruht noch wie gewohnt

Die Lüfte ruhen still ist Unsre Bahn

Und immer weiter dreht es wie im Wahn

Der Leiermann spielt traurig seine Weise

Das Eise knirscht jetzt stirbt Es endlich leise

 

Gerry Huster