Spaziergang über einen Friedhof

Spaziergang über einen Friedhof

Die Einrichtung der Welt ist schwer ergründlich
Und niemals ganz das Dickicht zu durchschau’n
Des Lebens Blatt hängt schwach und fällt vom Baum
Es scheint manchmal zu früh; zu spät; nie pünktlich

Ein Wind ist schwer zu fassen, denn er fließt
Durch uns’re schwachen Hände, wenn er will
Und scheint die ganze Welt in Trauer still
Sieht man im Fluss, wie Leben sich ergießt

Man steht dort zwischen Steinen, ist verblieben
Aus jedem Toten wächst ein fauler Zahn
Darunter liegt wer, dessen Weg getan

Voll Scham wird er von dieser Welt gemieden
(Das sah ich auf einen Grabstein geschrieben
Ganz zufällig)

Gerry Huster

2 Kommentare zu „Spaziergang über einen Friedhof

  1. Da ist sie wieder, die vertraute Heiterkeit! 😉
    Sehr schön. Könnte von Gryphius sein. Der schrieb ja seine Vanitasgedichte in einer Zeit von Pest und Krieg; insofern bist Du fast wieder zeitgemäß.
    Auch an Reim und Vers habe ich diesmal nichts auszusetzen.

    Gefällt 1 Person

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