Erste Verklärungen

Erste Verklärungen

Wenn sie einem ein Denkmal errichten wollen
Ist sein Körper schon krank und
Die Haut auf seiner Stirn zerfressen wo
Sie ihn schlugen und schlagen ließen

Sie aber zeichnen ihn und
Machen ihn gesund und geben
Ihm eine Stirn die glatt
Und sorglos ist frei von ihren Malen

Wenn sie dann auf den Stein einhauen
Schneiden sie seinen krummen Körper ab gleich unter
Dem Hals noch lang genug
Um eine Schlinge drum zu legen

Und er schaut in das fremde Gesicht aus Stein
Schön ist es nicht für ihn
Sondern für sie gemacht
Und mitleidig sieht er in ihnen
Das Hässliche, das sie aus ihm herausgeschnitten haben

Gerry Huster

6 Kommentare zu „Erste Verklärungen

  1. Manchmal stehen die Falschen auf einem Sockel. Oft lassen sie ihr überhöhtes Ego dort selbst verewigen. Aber wenn es dem Volk nicht mehr passt, werden sie schnell auf den Boden herunter geholt. Trefflich das Gedicht.

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  2. Wenn ich in den letzten Wochen meine Inbox durchscrolle, um sie aufzuräumen, stoße ich alle Naselang auf Benachrichtigungen vom Größten Literaturblog aller Zeiten. Die habe ich nämlich aufgehoben, weil ich eigentlich vorhatte, mein Lob abzuliefern. Und dann bin ich nie dazu gekommen.
    Darum jetzt mal stellvertretend für mindestens die letzten drei Texte („Unter Tieren zerrissen“, „Versuchte Begegnung“, „Erste Verklärungen“): Das ist alles richtig gut. Feinsinnig beobachtet, sprachlich präzise, intellektuell provokant. Und es ist, wenn ich das sagen darf, vielleicht die richtige Entscheidung, auf Reim und Vers zu verzichten, denn die neigten bei Dir doch etwas zum Humpeln und Keuchen.
    Mit der Geburtsgeschichte konnte ich jetzt nicht ganz so viel anfangen; das kommt mir wie eine experimentelle Fingerübung vor, die nicht wirklich für sich stehen sollte. Aber es freut mich, dass die Düsternis Deiner Werke sich nun ins Lebensbejahende gewandelt hat.
    Anscheinend weißt Du die Coronapause sinnvoll zu nutzen. Ich freue mich auf weitere literarische Früchte.

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    1. Vielen Dank. Es freut mich wirklich sehr, das zu lesen.
      Ich habe mich in letzter Zeit an einem anderen Stil versucht und bin sehr glücklich damit. Sicherlich waren die vergangenen Gedichte teilweise erzwungen und ich kann verstehen, wenn sie holperig wirkten, denn die letzten acht Monate waren für mich eine Zeit vieler neuer Erfahrungen und Eindrücke und ich wollte vielleicht mehr schreiben als ich im Endeffekt hätte tun sollen. Ich kann die Kritik in der Richtung nachvollziehen und muss zustimmen. Wobei ich nicht vorhabe, das Reimen gänzlich sein zu lassen, aber es sollen Reime nur dann kommen, wenn sie auch eine Aussage haben. Ich werde mit weniger Zwang rangehen.

      Die Geburtsgeschichte soll tatsächlich nicht für sich stehen. Sie ist ein Versuch, auf diesem Blog vielleicht auch regelmäßiger kleinere Irritationen hervorzurufen. Ich bekam diesen Einfall auf einer Fahrradfahrt und als ich zuhause ankam, war sie bereits zur Hälfte verschwunden. Aber mich interessiert der Stil und ich betrachte es tatsächlich als Experiment und „Fingerübung“ noch weitere Texte in dieser Art zu verfassen.
      Ich freue mich, noch immer von dir zu hören. Auch ich lese tatsächlich noch ab und zu einige alte Texte des Schwarzen Katers und frage mich dann immer, was der wohl so macht. Liebe Grüße und viel Glück in diesen Zeiten!

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  3. Ach ja, mein Blog liegt im Erholungsschlaf. Ich habe mit Geldverdienen und Familie viel zu tun, und wenn ich mal inspiriert bin, kanalisiere ich die geistige Energie vorwiegend in Texte, die mir beruflich oder finanziell was bringen. Mittlerweile habe ich mit Telepolis und Publik Forum zwei Publikationen, die auch mal einen essayistischen Text von mir nehmen, ich muss also nicht mehr in meinem stillen Blogkämmerlein vor mich hin schimpfen.
    Allerdings ist das auch eine Chance. Lange politische Besserwissereien liest ja doch niemand, Gedichte hingegen schon. Vielleicht fällt mir mal wieder eines ein.
    Dir wünsche ich auch alles Gute. Las ich beim Klicken auf Deine Photos, dass Du in Peru bist? Glücklicher!

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