Flügelloser Vogelflug

Flügelloser Vogelflug

Zwei Kranichen zu folgen meinte ich
Ziehend in die heiligen Wälder des gelobten Landes
Amerika geheiligt durch
Das Gold in den Flüssen und den Alkohol in den Flaschen

Die Kraniche zu fangen meinte ich
Angekommen zwischen parfümierten
Körpern nackter Frauen in
Der Heiligkeit des lobenden Landes

Ein Kranich zu werden meinte ich
Fett und aufgedunsen geworden in
Stetiger Ablenkung meinte ich
Ein Kranich zu sein

Doch als ich in den Himmel schaute
Ich hatte ihn fast vergessen in den nackten Frauen
Da war er grau und zerklüftet und die Kraniche
fortgeflogen. Punkte in der Landschaft

Enttäuscht beschloss ich
Nie wieder nach dem Himmel zu schauen und selber
Ein Kranich zu sein in
Einer Welt der falschen Spiegel

Gerry Huster

3 Kommentare zu „Flügelloser Vogelflug

  1. Wieder einmal: Glückwunsch. Ein fesselndes und sprachschönes Gedicht.
    Ich habe seit jeher mit Lyrik meine Probleme. Selbst weiß ich oft nicht, was ich in poetischer Form sagen sollte, denn als Verstandesmensch spreche ich gerne klar und in Prosa. Und anderer Leute Lyrik erscheint mir oft als Selbstgespräch; sehr vieles wirkt auf mich wie ein Rätsel, das ich erraten soll, so als wäre irgendein Ereignis, das dem Dichter wichtig war, so lange unter sprachlichem Glitzerschmuck begraben worden, bis es darunter unkenntlich geworden ist und man am Funkeln erraten muss, was es gewesen sein könnte.
    Aber jede Kunst ist für mich eine Form der Kommunikation, jedes Kunstwerk eine Mitteilung. Es ist der Versuch, etwas so klar wie möglich zu sagen, das man anders nicht sagen kann. Darum halte ich jene Form der assoziativen Rätsellyrik für irregeleitet. Und darum lese ich Deine Gedichte mit Genuss. Weil ich sie verstehe. (Jedenfalls meistens. 😉 Jedenfalls glaube ich das. 😉 )

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    1. Ja, die Lyrik ist ein heikles Thema. Sie ist so sensibel, dass man viel falsch machen kann, beim Schreiben und beim Lesen. Aber man lernt und entwickelt sich. Wenn du dir frühe Gedichte von mir anschaust, wirst du merken, dass ich mich verändert (ob verbessert oder verschlechtert, das sei mal vorweggelassen) habe. Und so soll es ja auch sein. Aber ich kenne das, dass Lyrik gepresst wird. Dann ist es tatsächlich so, als ersticke das Wirkliche unter Lagen an Glitzerstaub. Nicht alles passt in Lyrik. Prosa ist da manchmal der schönere Weg. Ich versuche mich auch ab und an an Prosatexten von unterschiedlicher Länge, bemerke aber meistens, dass ich da wohl noch viel üben muss.
      Es freut mich, wenn du was aus meinen Gedichten verstehst. Ob es das ist, was ich aus ihnen verstehe oder nicht, sei zunächst einmal gleich. Denn das ist ja genau das Spannende. AN LYrik und an Prosa :). Kommunikation soll ja ankommen und Selbstgespräche enden doch meistens als Sackgasse…

      Vielen Dank 😉

      Gefällt 1 Person

  2. Sei Du mir der wahre Spiegel
    Und zeige mir die Sonne über den Wolken
    Da die nackten Engel schweben
    Adler und Taubenbegleitet
    Sirren die Schwalben
    Um das Dach des Heiligtums
    Darin nackte Göttinnen
    Den Akt des heilsamen Liebens zelebriern
    Ich bin ein Papagei
    Und spreche nur nach was ich höre
    Siehe im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
    Nennen wir Es Herzensparadies
    Ist Gold kein Metall mehr
    Denn flüssiges Licht

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