Der „Sinn des Lebens“

Die Frage nach dem Sinn im Leben ist eines der grundsätzlichsten Dinge, die den Menschen von den Tieren unterscheiden. Seit der Mensch Zeit hat, Gedanken auf Themen zu verwenden, die nicht auf das unmittelbare Überleben gerichtet sind, versucht er, diese Frage zu beantworten. Trotzdem ist es noch nicht gelungen, den Sinn des Lebens eindeutig festzustellen, was daran liegt, dass diese Frage in verschiedenen Kulturen ganz unterschiedlich angegangen wurde. Die Frage universal und „richtig“ zu beantworten ist unmöglich, da jeder Mensch individuell ein eigenes Ziel und somit auch einen eigenen Sinn im Leben festlegt kann und soll. Niemand kann also den Sinn des Lebens definieren. Aber jeder kann und sollte es auch versuchen:

Um den Sinn im Großen -also im Leben- zu finden, muss man erst einmal schauen, wo es Referenzen im Kleinen gibt, von denen man auf das Große schließen kann. Schon Aristoteles hat festgestellt, dass jede Handlung des Menschen im Kleinen einen Sinn hat und ein Ziel erfolgt. Jeder Mensch produziert etwas zu einem Zweck. Ein Färber zum Beispiel färbt Stoffe, damit diese an den Schneider verkauft werden, damit diese zu einem Anzug geschnitten werden, damit diese von einem Menschen getragen werden, damit diese nicht frieren etc. schon die kleinsten Kinder erkennen dieses Prinzip und nutzen es zu ihrer Freude mit den ewigen Warum-Fragen, die jeder, der schon einmal mit Kleinkindern zu tun hatte, kennen wird. Damit testen sie die Grenzen des Wissens der Erwachsenen, wohl wissend, dass diese Frage nach dem Warum nicht zu einem Ende geführt werden kann. Das liegt daran, dass kein uns bekanntes Sinn-System in sich geschlossen ist. Ein Stück Stoff etwa bekommt nicht dadurch einen Sinn, dass es an einen Schneider verkauft und zu einem Anzug genäht wird, und ein Anzug erhält seinen Sinn nicht bloß dadurch, dass er getragen wird, und die Tatsache, dass der Anzug getragen wird, nicht bloß dadurch, dass sie den Träger vor Kälte schützt, sondern in dem Sinn, der einzelnen Objekten zugewiesen wird, lässt sich immer ein weiterer Sinn entdecken.

Genau das gleiche System lässt sich nun im menschlichen Leben wiederfinden. Niemand existiert, nur damit er existiert, sondern, um sich zu bilden, Nachkommen zu zeugen, den evolutionären Prozess fortzuführen, um … was eigentlich? Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist also die Frage nach dem Ende dieser scheinbar endlosen -und damit auch sinnlosen- Aneinanderreihung von kleinen Sinnen.

Welche Voraussetzungen  muss dieses Ende also haben? Zum ersten müsste es sich selbst zum Sinn haben, damit die irdische Sinnkette nicht fortgeführt wird. Das heißt, es muss existieren, um zu existieren. Das setzt aber auch voraus, dass es ewig ist. Denn etwas, das nicht ewig ist und also irgendwann rest- und spurlos verschwunden sein wird, kann nicht sich selbst zum Sinn haben, da es diesen Sinn durch seine Vergänglichkeit nicht erfüllen würde und somit auch nicht anderen Dingen zum Sinn dienen könnte. Welchen Sinn hat ein Goldstück, dass unbemerkt für den Bruchteil einer Sekunde in der Tasche einer armen Bettlerin auftaucht? Und welchen Sinn hat dann ein Universum, dass unbemerkt von allem anderen für einen an der Ewigkeit gemessenen so kleinen Zeitraum auftaucht und wieder verschwindet? In beiden Fällen lautet die Antwort: für sich genommen keinen. Das Goldstück hätte aber dann einen Sinn, wenn es etwas Gold in der Tasche der Bettlerin zurücklassen würde, sodass ihr ein unverhoffter Geldsegen zuteilwird. Und genau so verhält es sich mit allen Dingen im Universum: Wir erhalten erst dadurch einen Sinn, dass wir einen Einfluss und sei er auch noch so klein und indirekt auf etwas Größeres und Unendliches haben. Viele Menschen nennen dieses Größere Gott.

Einen Sinn nur auf der Erde -zum Beispiel im Vergnügen- zu suchen, hält jedoch vor dieser Argumentation nicht stand. Denn alles, was von seinem eigenen Vergnügen beeinflusst wird -man selbst und u.U. seine Mitmenschen- ist vergänglich. Erst, wenn man von einer ewigen Instanz ausgeht, die von diesem Vergnügen beeinflusst wird (ob positiv oder negativ spielt hierbei keine Rolle), erhält das Vergnügen einen Sinn.

Gerry Huster

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12 Kommentare zu „Der „Sinn des Lebens“

  1. freude ist m.e. teil/ausdruck der liebe, deshalb kann sie durchaus sinnvoll sein. ich stimme dir in dem gedanken zu, dass mensch selbst durch sein „bestimmen“ festlegt, was wert und sinn hat und macht. (aber nicht nur). ich mag deine überlegungen.
    interessant ist ja, dass jeder mensch irgendwann (oder öfter) in seinem leben sich mit dieser frage nach dem sinn konfrontiert sieht, die irgendwie auch nach einer antwort verlangt. (ich habe es bewusst so formuliert …, mit diesem irgendwie, das manchmal nicht wie aus dem menschen selbst zu kommen scheint …). ich für meinen teil habe festgestellt, dass diese sinnfrage immer wieder, an unterschiedlichen punkten im leben, auftaucht und eine „erneute justierung“ abfragt. schönen tag dir, liebe grüße von der beobachterin

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  2. Liebender Gerry

    Ich rang als Jugendlicher nach DER Antwort
    Auf DIESE Frage

    Und heute etwas lebenserfahrener
    Ist die schlichte und zugleich gewaltige Antwort
    Lieben
    Wohlgemerkt im Tuenswort

    dankend
    Dir Joaquim von Herzen
    Der Alles damit färbt
    Und selbst eine Farbe im Regenbogen ist

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    1. Diese Frage ist die, die mich vor dem Schreiben dieses Textes für mich selber beantworten musste. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Sinn als ein Selbstzweck definiert werden muss. In dem Text habe ich ja beschrieben, wie jeglicher uns bekannte Zweck sich im Unendlichen zu verlieren droht. Bis er eben einem Selbstzweck dient, der in einem Kreislauf einen Sinn ergibt.

      Der Begriff Sinn soll hauptsächlich Sicherheit geben. Wir brauchen den Glauben an einen SInn, um uns nicht in der Unendlichkeit des Seins zu verlieren. Die Selbstachtung des Menschen beruht auf der Annahme eines Sinnes.

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      1. Wenn es so etwas wie Sinn gäbe, wäre das Wort Sinn sinnlos. Jeder kann seinem Leben für sich selbst Bedeutung geben, aber so etwas wie (kollektiven) Sinn kann es nicht geben.

        Wörter wie „Sinn“ sind nur Ausdruck der Sehnsucht des Menschen nach überindividueller Wichtigkeit und natürlich ein schönes Manipulationsinstrument.

        Kann uns etwas Besseres passieren, als uns in der Unendlichkeit des Seins zu verlieren …

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      2. Es muss einen Sinn geben. Ob der kollektiv der gleiche oder individuell ist, ist egal. Aber niemand darf seinen Sinn erfahren. Das würde in die Handlungsfreiheit des betreffenden Menschen eingreifen.

        Ja. Der Begriff Sinn ist sicher Ausdruck einer Sehnsucht, aber auch Schutz vor der Logik. Denn der SInn ist das Wertgebende im Menschen. Als Manipulationsinstrument wird der Sinnbegriff natürlich gebraucht bzw. missbraucht.
        Aber wir dürfen uns nicht in der Unendlichkeit des Seins verlieren, wenn wir leben wollen. Weil das hieße, sich umzubringen.

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      3. Warum muß es einen „Sinn“ geben? Wer sagt das? Daß es einen geben muß, ist ebenso eine Erfindung wie der Begriff „Sinn“. Und wie das Wörtchen von Interessenten gefüllt wird, ist alles andere als egal … Was deinen letzten Satz betrifft: Vielleicht solltest du dir mal andere Religionen als die monotheistischen anschauen. Die sind auch weniger gefährlich. 😉

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      4. Die gesamte Natur ist auf Sparsamkeit ausgelegt. Was nicht notwendig ist, was keinen Zweck hat, dass braucht man nicht. Wenn es also ein begrenztes Zwecksystem gäbe, wie ich es beschrieben habe, wo ein Zweck nur einem anderen Zweck dient usw. bis es etwas zweckloses gibt, dann müsste sich dieses System folgerichtig von selber abbauen. (Der oberste Unzweck verfällt, dann der nächste Zweck usw.) und unseren Überlebensdrang dürfte es nicht geben.

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  3. Tatsächlich, lieber Gerry, ist die Natur ganz im Gegenteil das Verschwenderischste, was vorstellbar ist: Verschwendung ist das zentrale Entwicklungsprinzip der Natur. Wieviel Kastanien werden zu einem neuen Baum? – Und »Zweck« ist weit entfernt von Sinn. Was meinst du mit »braucht man nicht«? Wer ist »man?« Und wer bestimmt, was (für wen) notwendig ist? Da gibt es noch einiges zu klären, bevor über so etwas wie Sinn nachgedacht werden kann.

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